INNET Impuls: Klient*innenbefähigung im digitalen Zeitalter

Der letzte INNET Web-Impuls widmete sich der Frage, wie digitale Lösungen Menschen mit Beeinträchtigungen zu einem selbstbestimmten Leben verhelfen können. Zwei Impulse aus Wissenschaft und Praxis zeigten den Teilnehmenden eindrucksvoll, wie digitale Innovationen und pädagogische Konzepte erfolgreich zusammenwirken, um Teilhabe zu fördern und Barrieren abzubauen.

Stefanie Trzecinski von der Kopf, Hand + Fuß gGmbH präsentierte zwei Projekte, die digitale Teilhabe niedrigschwellig ermöglichen. Vielen Menschen mit Lernschwierigkeiten fehlt der Zugang zu digitalem Wissen. Digitale Kompetenz ist jedoch eine wichtige Voraussetzung dafür, an Beruf und Alltag teilnehmen zu können. Hier setzt die Plattform „AInfach“ an: Mit kurzen, leicht verständlichen Einheiten erleichtert sie den Zugang zu digitalem Wissen und Künstlicher Intelligenz. Die Inhalte reichen von Grundlagen der Digitalisierung über Internetsicherheit bis hin zum Einsatz von KI im Arbeitsleben. AInfach ist modular aufgebaut, kann von anderen Institutionen erweitert werden und ist AZAV-zertifiziert, sodass die Teilnahme über Bildungsgutscheine gefördert werden kann.

Das zweite vorgestellte Projekt, der „Verainfacher“, ist eine KI-Anwendung, die komplexe Texte im Frage-Antwort-Dialog verständlich macht. Nutzer*innen können Dokumente hochladen – beispielsweise ein Foto eines Formulars oder Gesetzestexts – und erhalten eine vereinfachte Zusammenfassung mit erläuternden Beispielen. Die Anwendung richtet sich an Menschen, die zwar lesen können, aber Schwierigkeiten haben, Inhalte zu verstehen oder längere Texte zu erfassen. Der „Verainfacher“ soll dazu beitragen, digitale und gesellschaftliche Informationen besser zugänglich zu machen.

Aus der Wissenschaft heraus stellte Prof. Dr.-Ing. habil. Thorsten Jungeblut von der Hochschule Bielefeld das Projekt KogniHome e. V. vor. Es handelt sich dabei um intelligente Wohnumgebungen, die ältere oder pflegebedürftige Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung ermöglichen. Im Mittelpunkt steht eine KI-basierte Anomalieerkennung, die mithilfe von kostengünstiger „Minimalsensorik“ – etwa Bewegungsmeldern, Lichtschaltern oder Wasserzählern – aus dem Verhalten im Haushalt heraus individuelle Muster lernt. Durch Abweichungen von den individuellen Routinen lassen sich Risiken frühzeitig erkennen.

In der an die beiden Impulse anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Befähigung im digitalen Zeitalter mehr bedeutet als die Einführung neuer Technologien. Sie erfordert eine gute Balance zwischen technischer Unterstützung und menschlicher Begleitung. Digitale Lösungen müssen einfach, verständlich und sicher sein, um tatsächliche Teilhabe zu ermöglichen. KI-Anwendungen können Lern- und Lebensräume zugänglicher und individueller gestalten, allerdings bleiben sie lediglich Werkzeuge und können eine pädagogische Begleitung, Beziehungen und Vertrauen nicht ersetzen.

Der Web-Impuls machte eindrucksvoll sichtbar, dass Klient*innenbefähigung dort gelingt, wo Menschen und Technologie zusammenspielen. Projekte wie „AInfach“, der „Verainfacher“ und „KogniHome“ zeigen, wie digitale Innovation soziale Wirkung entfalten kann. Es braucht praxisnahe Lösungen, die Selbstständigkeit fördern, Sicherheit geben und Lern- wie Lebensräume inklusiver gestalten.

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